In dubio pro libertate

Von der unerträglichen Leichtigkeit des Scheins.

München // Juli 2020
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hier.

Vorbemerkungen

Faktische und stilistische Sachlichkeit dieses kleinen Beitrages verhalten sich reziprok zueinander. Ich habe mir größte Mühe gegeben, absolut objektive Fakten in einen absolut subjektiven Text einzufassen.

„Sapere Aude!“

Jeder Tod ist tragisch, jede das Leben beeinträchtigende Erkrankung ein bedauerliches Ereignis, das zu verhindern wünschenswert ist.

Pandemie, der erste Versuch

Bevor ich mich an den amateurhaften Versuch wage, das Licht meiner Taschenlampe auf die richtigen Stellen ins Dunkel zu richten, muss ich mit einer kleinen Geschichte anfangen, um das Große und Ganze in einen stabilen Rahmen zu hängen.

Aus Fehlern lernen?

Nun gut. “Errare humanum est”, wissen wir ja bereits seit der Antike. Ganz besonders die Wissenschaften schöpfen Erkenntnis aus Irrtum. Erst im dialektischen Spannungsfeld von These und Antithese, von Verifikation und Falsifikation, kann echte Erkenntnis und hernach genuines Wissen entstehen.

Pandemie, der zweite Versuch

Als im Januar erstmals Berichte über ein neues Coronavirus eine breitere Aufmerksamkeit erhielten — die Chinesen inszenierten in Wuhan eine gigantische Show und bauten binnen acht Tagen zwei Krankenhäuser mit jeweils über eintausend Betten, gleichzeitig wurde am Starnberger See ein großes deutsches Unternehmen geschlossen, und ein gutes duzend Fälle in Bayern versetzten fast täglich die Republik in helle Aufregung — da ahnte wohl kaum jemand, was dieses Virus bald für die eigene Lebenswirklichkeit bedeuten würde.

Ein Test erblickt die Welt

Bevor wir zum Kern dieses kleinen Traktats vordringen können, muss ich noch etwas weiter ausholen und möchte mit der Frage beginnen: Was genau ist eigentlich in jenen ersten Tagen passiert? Erschöpfend wird man das wohl nie erfahren, aber die offizielle Erzählung geht in etwa so: Irgendwann im Dezember 2019 fiel einigen Ärzten in Wuhan, eine aus ihrer Sicht ungewöhnliche Häufung von Patienten mit sogenannten atypischen Pneumonien (viralen Lungenentzündungen) auf. Nach einigem Hin und Her und recht rabiaten Interventionen der chinesischen Provinzregierung, erreichte diese Information die WHO und dadurch kurze Zeit später auch die Weltöffentlichkeit.

Was kann der Test?

Der von Drosten et al. entwickelte Test (oder präziser, das Testprotokoll) — mittlerweile von einer unüberschaubaren Anzahl Unternehmen hergestellt, und weltweit in einer Vielzahl unterschiedlicher Varianten, auch anderer wissenschaftlicher Institute, von der WHO zugelassen — basiert auf dem sogenannten Realtime RT-PCR Verfahren, wobei die Abkürzung für Reverse Transcription Polymerase Chain Reaction (also Echtzeit Reverse-Transkriptase-Polymerase-Kettenreaktion) steht.

Was kann der Test nicht?

Der Test kann keine intakten Viren nachweisen. Vor allen Dingen kann er nicht nachweisen, ob jemand am Virus erkrankt ist oder erkranken wird und noch weniger ist er im Stande nachzuweisen, ob jemand erkrankt war.

Die perfekte Welle

Vermutlich noch während unser Supervirologe im kalten Zitterlicht einer Neonröhre sein Papier für die WHO zusammenschrieb, sicherte das „kleine“ Berliner Pharmaunternehmen TIB Molbiol Syntheselabor GmbH eine schlagkräftige Kooperation mit dem Schweizer Pharmariesen Roche, für den weltweiten Vertrieb der Testkits (schließlich funktionieren diese perfekt mit Roches Diagnosegeräten), und in Berlin Tempelhof wurden die Produktionskapazitäten auf das Maximum gesteigert.

Kein Halten mehr?

Spätestens zu diesem Zeitpunkt hätte Drosten oder einer seiner über eintausend deutschen Virologenkollegen oder jemand bei der WHO oder irgendein anderer Mediziner auf diesem Planeten, der 2009 schon sein Studium abgeschlossen und nicht in einer Höhle gelebt hatte, vielleicht auch der Tiermediziner beim RKI oder die schlaumeiernden Hofakademiker beim Helmholtz-Zentrum, der Max-Planck-Gesellschaft oder der Leopoldina, hätte irgendjemand mit einem letzten Funken Verstand sich an das H1N1-Debakel erinnern müssen. Hätte rufen müssen: „Halt, Moment! Sind wir uns sicher, dass wir genau verstehen, was wir hier gerade beobachten?” Hätte nicht irgendeine bescheidene Akademikerseele irgendeinen internen Schenkelklopfer über H1N1 raushauen, ‘nen Euro ins Phrasenschwein geben und dann ganz nebenbei diesen Irrsinn stoppen müssen, noch bevor er überhaupt hätte Fahrt aufnehmen können? Im großen Land der Reichsbedenkenträger keiner, der auch nur den geringsten Zweifel hatte?

Kein Halten mehr!

Falls es einen mutigen Kopf gab, der eilends ein diplomatisches, zurückhaltend formuliertes Memo an die geschätzten Kollegen in sein altes Uni-Laptop tippte, so wurde er nicht gehört. Der Wahnsinn nahm ungebremst seinen Lauf.

Mutmaßungsstudien

Dem Ganzen die Krone aufsetzend, veröffentlichte unser Starvirologe, gemeinsam mit über einem Duzend weiterer Experten ihres Fachs, Ende Januar eine Kurzstudie im renommierten New England Journal of Medicine, zu den Infektionsketten von vier Mitarbeitern beim deutschen Autozulieferer Webasto, die „nachwies“, dass SARS-CoV-2 auch durch sogenannte asymptomatische Probanden übertragen wird. Asymptomatisch, das sei hier kurz angemerkt, ist eine etwas verklausulierte Formulierung der Medizin für gesund. Eine bemerkenswerte und absolut außergewöhnliche Eigenschaft. Ein Atemwegsvirus, das von gesunden, lediglich testpositiven Personen übertragen wird, das gab es noch nie! Vor allen Dingen aber war diese Annahme besorgniserregend, da sie jeden konventionellen Versuch der Eindämmung, nahezu unmöglich erscheinen ließ. Kurz: Drosten und seine Paniktreiber waren sich sicher, dass auch gesunde Menschen ein wichtiger Übertragungsvektor sein können und sich dadurch dieses Killervirus still und leise über den ganzen Planeten ausbreiten würde. Stoff für einen abendfüllenden Horrorfilm. Die Studie machte Schlagzeilen.

Keine Welle ohne Sturm

Als Ende Februar dann eine erste Häufung von Fällen in Italien für Aufregung sorgte — inzwischen waren erschütternde Bilder aus dem Iran um die Welt gegangen und aus Südkorea sendeten die Medien Sequenzen, die eher einem Katastrophenfilm aus Emmerichs Feder entstammen mussten als der Wirklichkeit — da waren alle Voraussetzungen für den perfekten Sturm geschaffen. Ein Sturm, der die Infektionswelle über die Kontinente peitschen sollte. Presse und Medien waren inzwischen von einer kollektiven Panikattacke so gelähmt, dass ihnen jegliches journalistische Maß abhandengekommen war.

Ein Tsunami des Schwachsinns

Irgendwann Anfang März kippte die Balance des politischen Handelns endgültig auf die Seite des rasenden Aktionismus. Auf stetig steigende Fallzahlen reagierten die italienischen Behörden mit teils drastischen Maßnahmen, verhängten über zwei Provinzen harte Ausgangssperren, nur um bereits wenige Tage später erst weite Teile Norditaliens und nach nicht einmal 24 Stunden dann am 9. März ganz Italien in ein gigantisches Gefängnis zu verwandeln. Politische Entscheidungen von historischer Einmaligkeit. Die Menschen verzweifelten, die WHO lobte. Deutschland hatte inzwischen in Heinsberg sein eigenes „Epizentrum“.

Drosten kann noch mehr

Während die Menschen nicht mehr wussten, wie es weitergehen soll, erklommen unser guter Prof. Drosten und die fabelhafte Charité das nächste Level im akademischen Ränkespiel. Am 22. März sonnte sich Bundesforschungsministerin Frau Karliczek in der Aureole unseres Starvirologen. Fleißig lobte sie das neueste Brain-Child unseres Virologen-Genies und seines Klinikchefs, das Nationale Netzwerk der Universitätsmedizin: „Die Initiative von Professor Kroemer und Professor Drosten kann bei der Bewältigung der Pandemie und damit bei der Behandlung von vielen schwer Erkrankten eine ganz wichtige Schlüsselrolle einnehmen. Diese Initiative ist einmalig in dieser Ausnahmesituation für unsere Gesellschaft.“

Theorie und Wirklichkeit

Seit Mitte März befindet sich dieses Land in einer Art Trance. Der brave Bürger trägt jede Entscheidung mit, solange sie bedeutet, dass das Killervirus ihn und die seinen verschont. Hoffnungsvolles und ohnehin spärliches Aufflammen der Vernunft wird seither rasch im Keim erstickt. Beliebige Anordnungen, egal wie arbiträr oder bizarr, werden anstandslos und demütig auf dem gekrümmten Rücken der Masse mitgetragen.

  1. ist hochansteckend, weil eine Zoonose (von einem Wildtiermarkt in Wuhan),
  2. wird zwischen 60 % und 80 % der Weltbevölkerung infizieren,
  3. verbreitet sich über Aerosole und Schmierinfektion und kann asymptomatisch übertragen werden,
  4. trifft auf keinerlei Immunantwort und
  5. unterliegt keinen saisonalen Einflüssen.
  1. Ausgangssperren (euphemistisch wahlweise als Ausgangsbeschränkung oder Kontaktsperre bezeichnet) und
  2. später dann: Abstand halten und Maskenpflicht.

Hatten NPIs einen Nutzen?

Da die Lockdowns/Shutdowns/Ausgangssperren der schwerwiegendste Eingriff waren, möchte ich mich zunächst darauf konzentrieren. Hier gibt es mehrere Möglichkeiten, die Wirksamkeit zu überprüfen.

  1. Man beobachtet den epidemischen Verlauf und die Maßnahmen in Deutschland. Da es drei sehr distinkte Ereignisse gab (Verbot von Großveranstaltungen, Schulschließungen, Ausgangssperren), sollten sich nachlaufend auch positive Auswirkungen auf den epidemischen Verlauf zeigen.
  2. Man vergleicht den epidemischen Verlauf mit dem erwarteten Verlauf nach epidemiologischen Standardmodellen (nicht gemeint sind hier die Prognosemodelle von Ferguson usw.).
Quelle: William Briggs (https://wmbriggs.com/post/30833/)
Quelle: William Briggs (https://wmbriggs.com/post/30833/)
Quelle: https://twitter.com/boriquagato
Quelle: https://twitter.com/boriquagato
Quelle: Robert Koch-Institut
Quelle: Robert Koch-Institut
Quelle: Robert Koch-Institut
Quelle: https://fr.wikipedia.org/wiki/Loi_de_Gompertz
Quelle: https://fr.wikipedia.org/wiki/Loi_de_Gompertz
Quelle: http://twitter.com/MLevitt_NP2013
Quelle: http://twitter.com/MLevitt_NP2013

Ist Covid-19 gefährlicher als die Grippe?

Die Letalität einer Krankheit zu bestimmen, bei der ein Großteil der Opfer nicht an der Krankheit selbst stirbt (wie bei Tollwut oder Ebola), ist ausgesprochen schwierig. Selbst bei der eigentlich gut erforschten Influenza gibt es keine einfachen, direkt erfassten Angaben, sondern basieren die Sterblichkeitsangaben stets auf Schätzungen. Man muss sich bewusst machen, dass in Deutschland (wie im Prinzip überall auf der Welt) nicht jeder Patient, der mit Erkältungssymptomen zum Arzt geht oder in ein Klinikum aufgenommen wird, auf Influenza untersucht wird. Ganz im Gegenteil. Die Influenzaprävalenz (genauer die Prävalenz aller bekannten Atemwegsviren) wird von der Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) über ein Netzwerk sogenannter Sentinelpraxen erfasst (über 600 in Deutschland), die regelmäßig Proben von Patienten mit Atemwegserkrankungen an das Nationale Referenzzentrum (NRZ) des RKI senden, wo diese dann auf unterschiedliche Atemwegsviren untersucht werden. Über die testpositiven Proben wird die Prävalenz in der Gesamtbevölkerung hochgerechnet.

Quelle: https://www.cebm.net/covid-19/covid-19-understanding-the-unknown-in-acute-respiratory-infections/
Quelle: Robert Koch-Institut
Quelle: https://swprs.org/studies-on-covid-19-lethality/#age
Quelle: Robert Koch-Institut

Sind wir SARS-CoV-2 schutzlos ausgeliefert?

Was den guten Prof. Drosten und seine Clique von Panikmachern von Anfang an zutiefst beunruhigte war die Tatsache, dass unser Immunsystem keinerlei passende Immunantwort auf das neue zoonotische Virus haben würde.
Auf dieser zentralen Annahme fußte ein Großteil der Horrorszenarien. 60 bis 80% Infektionsdurchdringung bis zur Herdenimmunität, hohe Infektiosität, hohe Letalität. Das blanke Grauen.

Ist SARS-CoV-2 saisonal?

Man könnte die Frage auch anders stellen: Gibt es Atemwegsviren, die nicht saisonal auftreten? Werfen wir einen Blick in folgendes Diagramm, welches den aktuellen Wissensstand zur Saisonalität endemischer Atemwegsviren als Virenkalender zeigt (Quelle: Medscape).

Quelle: Medscape
  • eine allgemein schlechte Verbreitungsmechanik im Freien (Tröpfcheninfektion),
  • geringere Haltbarkeit von RNA-Viren unter verschiedenen Wettereinflüssen und
  • der Einfluss von Vitamin-D auf das Immunsystem. Vitamin-D wird hauptsächlich durch UV-B-Strahlung in der Haut gebildet. In den Wintermonaten der nördlichen Breiten — jenseits des 51. Breitengrades — reicht nicht einmal die Mittagssonne aus, um mit einem genügend hohen Anteil von UV-B Strahlung Vitamin-D zu bilden.

Wie wird SARS-CoV-2 übertragen?

Abschließend möchte ich noch den aktuellen Stand zu den Übertragungswegen zusammenfassen. Viel wurde im Verlauf der vergangenen Monate hierüber spekuliert. Vor allen Dingen viel Unsinn. Es hilft hier zunächst einfach den aktuellen Stand der WHO abzufragen. Die WHO geht gegenwärtig (Juni 2020) davon aus, dass sich SARS-CoV-2 primär über Tröpfcheninfektion in engem Kontakt mit symptomatischen (also kranken) Personen überträgt. Eine Übertragung via Aerosole wird nur dann für möglich gehalten, wenn aerosolbildende (technische) Prozesse das Virus verteilen. Übertragung rein über die Atemluft wird de facto ausgeschlossen. Schmierinfektion hält die WHO für möglich, gibt aber keine Auskunft darüber, unter welchen Umständen sie dies erachtet.

  1. Der Durchschnittsmensch ist gar nicht im Stande eine Maske so zu handhaben, dass sich kein Infektionsrisiko ergibt (niemals Maskenäußeres berühren, nach An- oder Ausziehen der Maske Hände gründlich desinfizieren usw.).

Zum Schluss

Als im März meine anfängliche Ängstigung zunächst in Verwunderung, dann in ungläubiges Staunen und schließlich in Wut und Verzweiflung umschlug, da hatte ich doch stets die leise Hoffnung, dass mit zunehmend besserer Faktenlage, die Vernunft zurückkehren, und Politik und Wissenschaft die Normalität restituieren würden.

Es ist vorbei

Es ist mittlerweile Anfang Juli. Seit über acht Wochen ist die Epidemie in Deutschland vorbei. Kehren wir doch noch einmal zum unerschöpflichen Quell wertvoller Informationen, zum RKI zurück.

Quelle: Robert Koch-Institut
Quelle: Robert Koch-Institut
Quelle: Robert Koch-Institut

Das Problem mit den Tests

Von Anfang an stellte sich die Frage, wie präzise die eingesetzten PCR-Tests tatsächlich SARS-CoV-2 nachweisen. Das Problem war und ist: Es gibt keinen Goldstandard für den Nachweis von SARS-CoV-2, also keinen verfügbaren Referenztest, mit dem sich prüfen lässt, ob das eingesetzte PCR-Testprotokoll überhaupt zum Nachweis des Coronavirus geeignet ist.

  1. Es ist unklar, bei welchen Coronaviren der Test kreuzreagiert. Darüber hinaus werden in vielen Laboren vereinfachte Nachweisverfahren eingesetzt (E-Gen Spezifität), die nachweislich auch bei anderen bekannte Coronaviren anschlagen würden.
  2. Es besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass der Test positiv auf bovine Coronaviren reagiert, wie sie zum Beispiel bei Rindern vorkommen.
  3. Der Test weist kein Virus nach, sonder nur RNA-Bruchstücke. Ob man bei einem positiven Test wirklich mit SARS-CoV-2 angesteckt ist, bleibt unklar.

Der Fall Tönnies

Am besten zeigt sich das am Fall Tönnies, auf den ich hier wirklich nur kurz eingehen möchte.

Ganz zum Schluss

Eigentlich wollte ich nur schnell die wichtigsten Fakten zu SARS-CoV-2 auf wenigen Blättern zusammenfassen, weil inzwischen der Überblick verloren zu gehen droht und es mir von Tag zu Tag schwerer fällt, die Unsachlichkeit zu ertragen, mit der ununterbrochen die Nachrichtenkanäle zugemüllt werden. Nun sind es über siebzig geworden.

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